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Donnerstag, 11. Oktober 2018

Demokratie, Monarchie und Rassismus

In einer Demokratie sind alle Menschen gleich, auch deshalb ist dort kein Platz für Rassismus. Von den Menschenrechten ganz abgesehen. Nun habe ich die Bilder vom Besuch eines Königspaares in Deutschland gesehen und dabei die jubelnde Menge und auch sonst sind die Adeligen in den Sozialen Medien immer sehr umgarnt und angehimmelt.

Nun fragte ich mich: Wie wird man eigentlich adelig? Also nicht angeheiratet oder adoptiert, was ja nicht wirklich von adeligem Blute ist. Eben, die Sache mit dem "Blut", mit der Verwandtschaft, man ist es von Geburt an.

So, wie entsteht nun Rassismus? Die einen glauben, von Geburt an etwas Besseres zu sein als andere. Es gibt die sogenannten "Untermenschen", die "Wilden", die "Barbaren" usw. es gibt noch viele andere, böse Bezeichnungen.

Jetzt drängt sich mir die nächste Frage auf: Wenn ich beim Adel akzeptiere, dass jemand von Geburt an über mir steht, akzeptiere ich dann auch leichter, dass jemand von Geburt an unter mir steht? Gibt es da einen Zusammenhang? Vielleicht kann mir da jemand helfen?


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CC-BY-ND 2018 Marc Stephan

Montag, 24. September 2018

Arbeitskollege Erdogan

Warum Politiker sich nicht benehmen dürfen, wie Bürger es sollten.


Es gibt Kollegen, die mag man nicht, muss aber trotzdem mit ihnen zusammenarbeiten, um voran zu kommen. Das denke ich mir, wenn nun deutsche Politiker vor dem türkischen Staatschef die Türen verschließen wollen. Man sollte dabei bedenken, dass Herr Erdogan ein gewähltes Staatsoberhaupt eines souveränen Staates ist. Was er dort tut oder nicht, kann uns gefallen oder nicht. Als Demokraten sollte es uns nicht gefallen, das stimmt. Aber es ist nunmal die Innenpolitik eines eigenständigen Landes; wir wollen schließlich auch nicht, wenn Erdogan sich in unsere Innenpolitik einmischt, was wir – mit Recht – sehr deutlich zeigen, wenn er versucht. Hätten die Politiker in der Vergangenheit jedoch genauso gedacht, würde der Eisener Vorhang heute noch immer West von Ost trennen. Ohne Reden geht es nicht.

Wenn nun Bürger auf die Straße gehen und ihre Meinung gegen den Politiker laut kundtun, ist das völlig in Ordnung. Es sind Demokraten und die stören sich daran, was in der Türkei geschieht und das dürfen und sollen sie dem ausländischen Staatschef auch zeigen. Unsere Politiker dagegen sind in diesem Fall eben nicht nur »Bürger«, sondern eben auch Vertreter Deutschlands und müssen mit dem Vertreter der Türkei zusammenarbeiten, um weiterzukommen. Es ist ihr Kollege, das muss ihnen nicht gefallen, sie müssen ihn nicht mögen aber sie müssen sich zusammenreißen und vor allem zusammenarbeiten!

Was mich dabei viel mehr stört ist, dass unsere Politiker diesen Unterschied zwischen Bürger und Vertreter des Staates mit besonderen Verpflichtungen nicht sehen, denn leider handeln sie auch in anderen Bereichen oft so, als würden sie den Unterschied nicht erkennen.


CC-BY-ND Marc Stephan

Der Hambacher Forst, ein verratenes Symbol

Schaue ich mir die Berichte zur Räumung des Hambacher Forstes an, denke ich mir zuerst: »Nicht alles was man darf, muss man auch tun!« Kurz danach denke ich aber daran, dass die Braunkohle in Deutschland subventioniert wird, wenn auch nur indirekt. Ohne indirekte Subvention stiege der Preis auf Braunkohlestrom auf das Dreifache.

Nun sehe ich die Demonstranten und auch einige der Radikalen, die sich gegen die Räumung und die Rodung des Forstes wehren, teils mit Gewalt. Dabei kommen mir Bilder aus den Medien in den Kopf, die Bergleute zeigten, die um ihren Job kämpften und gegen die Streichung der direkten Subventionen demonstrierten. Wer von den Räumungsgegnern im Hambacher Forst würde sich vor einen solchen Familienvater stellen und ihm ins Gesicht sagen: »Dein Job ist umweltschädlich, lass das Demonstrieren, such’ dir einfach einen anderen!« Niemand. Steine auf Polizisten werfen klappt dagegen sehr gut.


Dass der Hambacher Forst allein den Klimawandel nicht aufhalten kann, ist auch klar. Die Ausgleichsfläche kann den über 12 000 Jahre gewachsenen Wald nicht ersetzen, zumal auch die Braunkohle darunter noch als CO² in die Atmosphäre steigen wird. Trotzdem ist es ein Symbol. Aber ein Symbol für was? Dass wir uns gegen den Klimawandel stellen, während wir einen SUV fahren, stets das neueste Handy haben, zweimal im Jahr in den Urlaub fliegen, Plastiktüten verwenden, kürzeste Strecken mit dem Auto fahren, ständig das Internet nutzen (ja, auch das verschlingt weltweit Unmengen an Energie), Palmölprodukte kaufen und vieles mehr? Ich sage nicht, dass wir nicht um das Symbol Hambacher Forst kämpfen sollten, nur sollten wir eben dieses Symbol nicht täglich verraten.


CC-BY-ND Marc Stephan

Samstag, 25. August 2018

Kopftücher verbieten, Bärte aber nicht?

Nachdem nun "Terre de Femmes" behauptet, das Kopftuch habe nichts mit Religion zu tun - ich frage mich, warum "Terre de Femmes" das plötzlich zu bestimmen hat -, werden wieder die Rufe nach einem Kopftuchverbot laut. Es habe nichts mit Religion zu tun, sei nur das Zeichen einer Frauen unterdrückenden Kultur, heißt es oft. Dem will ich grundsätzlich nicht widersprechen, nur kann man eben nicht alles über einen Leisten schlagen. Junge Muslima, die studiert haben und mit Examen ins Berufsleben möchten und dabei Kopftücher tragen, sind sicher nicht so stark unterdrückt, wie manche es behaupten. Die Frauen, die wirklich unterdrückt werden - die gibt es, das bestreite ich gar nicht -, würden mit einem Kopftuchverbot einfach nicht mehr die heimische Wohnung verlassen dürfen. Ein großer "Fortschritt" also.

Was mich aber nun noch viel mehr beschäftigt: Selbst wenn ich das Kopftuch von der Religion löse und es nur als Zeichen einer die Frauen unterdrückenden Kultur sehe, dann wäre es doch Vollbart bei den männlichen "Hardlinern" das Gegenstück dazu. Ein Zeichen für eine Frauen unterdrückende Kultur. Warum verlangt jetzt niemand, diesen Bart zu verbieten? Warum will man nur wieder über die Frauen fremdbestimmen? Selbst "Terre de Femmes"?


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CC-BY-ND Marc Stephan 2018

Sonntag, 22. April 2018

Fleischabfall in prämierter Wurst - Katastrophe!


Wer bringt den Fleischabfall runter?

Fleischabfall. Abfall klingt nicht gut, möchte keiner auf dem Tisch oder auf dem Brot haben. Fleischabfall kommt in die Billigwurst, Fleischabfall in Dönerfleisch sorgte schon vor Jahren für Aufregung. Dort wurde dann der Abfall schnell zu »Gammelfleisch«, obwohl schon damals Lebensmittelchemiker sagten, dass dieses Fleisch zwar nicht appetitlich, aber auch nicht gesundheitsschädlich war. Dabei erinnere ich mich an die Erzählungen meiner Eltern und der Generation davor, die von Schabefleisch berichteten und davon, dass jedes Fitzelchen Fleisch verwertet werden musste, weil es so kostbar war.

Vielleicht ist es auch einfach eine Definitionssache. Das nun - wieder einmal - in die Schlagzeilen gekommene Seperatorenfleisch, ist eigentlich nur das Schabefleisch von früher, das Fleisch direkt an den Knochen, die Reste. Zu Großvaters Zeiten mit dem Messer abgeschabt, heute maschinell durch Seperatoren vom Knochen gelöst, bleibt es dasselbe Fleisch.


Höre ich dann dieselben Medien davon berichten, dass der steigende Fleischkonsum nicht nur uns krank macht, sondern auch die Natur, dann frage ich mich, wieso man nicht, wie früher, jeden Fitzel Fleisch nutzen sollte. Nur weil es nicht mehr appetitlich aussieht, muss man das Fleisch nicht wegwerfen, wenn es noch genießbar ist. Das unappetitliche Aussehen verliert es im Wurstbrät oder als Hackfleisch. Wo also ist das Problem? Wahrscheinlich sind die später beigefügten Zusatzstoffe wesentlich schädlicher als das Schabefleisch.


Solange wir - zu Recht - den steigenden Fleischkonsum bremsen wollen, können wir es uns erst recht nicht leisten, vorhandenes, genießbares Fleisch wegzuwerfen. Das ist verlogen und heuchlerisch. Vor allem, wenn man gerne die Billigwurst in den Einkaufskorb legt.


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CC-BY-ND Marc Stephan 2018

Mittwoch, 28. Februar 2018

Die Essener Tafel und die Eintracht Frankfurt

Sind alle (Vereine) gleich?


Um eines vorwegzunehmen: Ich bin kein Freund der AfD, ganz im Gegenteil, doch bin ich immer für Gleichberechtigung. In unserem Land greift es aber langsam um sich, dass man den Wald vor Bäumen nicht mehr sieht oder auch nicht mehr sehen will.

Im Sinne der Gleichberechtigung frage ich mich nun, was ist der Unterschied zwischen zwei eingetragenen Vereinen? Wenn die Eintracht Frankfurt AfD-Wählern die Mitgliedschaft verwehrt, finden das viele richtig. Ich finde die Entscheidung zum einen richtig, zum anderen denke ich, dass ein Verein selbst entscheiden kann, wen er als Mitglied aufnimmt und wen nicht. Es besteht kein Recht auf Mitgliedschaft.

Wenn sich jetzt dieselben Leute, welche die Entscheidung der Eintracht Frankfurt bejubelt haben, darüber aufregen, dass die Essener Tafel keine Migranten mehr als Kunden aufnimmt, dann können mir eben diese Menschen vielleicht den Unterschied erklären, warum der eine Verein das darf und der andere nicht. Auch die Essener Tafel ist ein Verein und soweit ich weiß, hat niemand das Recht, dort Lebensmittel zu bekommen. In Ordnung finde ich diese Vorgehensweise ebenfalls nicht, das steht aber nicht zur Debatte. Mir geht es einzig darum, dass Gleichheit eben auch Gleichheit bleiben muss, selbst wenn es einem vielleicht nicht passt. Auch und gerade die Verfechter dieser Gleichheit sollten das sehr ernst nehmen!

Noch ein kleiner Nachsatz: Dass es nun ausgerechnet Politiker sind, die sich darüber aufregen, wie ein Verein seine ehrenamtlichen Tätigkeiten ausübt und mit dieser doch nur die Suppe auslöffelt, die uns die Politiker überhaupt erst eingebrockt haben, ist unsäglich!

Mittwoch, 21. Juni 2017

Das Wahlrecht der Meute

Auch die Meute darf wählen. Das ist grundsätzlich kein Problem und es kann und darf in einer Demokratie auch nicht geändert werden. Wenn das Zusammenspiel zwischen wählender Meute und Politiker allerdings zu einem Problem wird, sollte man an den Politikern arbeiten und an der Meute. Demokratie lässt keine einfachen Lösungen zu!

Mittwoch, 22. Februar 2017

Managergehälter

So, so, die SPD will die Managergehälter durch Gesetz begrenzen lassen. Das klingt in einem freien Staat zum einen recht seltsam, zum anderen wird dadurch kein einziger Arbeitnehmer auch nur einen Euro mehr bekommen.

Tatsächlich stehen die Managergehälter in keinem Verhältnis zu den Löhnen der Arbeitnehmer. Letztlich aber ist es mir völlig egal, wie hoch die Managergehälter sind, so lange sie nicht durch Niedriglöhne und Stellenstreichungen finanziert werden. Das sollte letztlich im Mittelpunkt stehen.

Auf diese Art der "Lösung" wird einzig und allein wieder die Neiddebatte im Land geschürt, die letztlich keinem etwas bringt. Statt dafür zu sorgen, dass die Geringverdiener mehr bekommen, nehmen wir den Topverdienern etwas weg. Das besänftigt zwar den Neid, bringt aber keinen Euro mehr aufs Konto. Außerdem werden die Topverdiener Wege finden, doch an ihr Geld zu kommen. Notfalls kriegt das Kind einen anderen Namen. Nur Neid aber keine Lösung des wirklichen Problems in Sicht.

Freitag, 6. Januar 2017

Seine Meinung sagen dürfen

Eigentlich ist das Thema ja schon hinreichend durchgekaut. Weil mir aber der Satz "Man wird doch noch seine Meinung sagen dürfen, ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden" in letzter Zeit auch immer öfter entgegen gehalten wird, möchte ich dazu doch noch etwas schreiben:

Samstag, 13. August 2016

zusammenfassend

Nachdem ich mich nun durch verschiedene Mediatheken geklickt habe und verschiedene Dokumentationen gesehen habe, fasse ich mal zusammen und stelle mir diese Frage:

 

Donnerstag, 3. September 2015

Was wir wollen sollen und was das bringt - hausgemachtes Flüchtlingsproblem

 
Auch heute dürfte die Werbung »Mein Haus, mein Auto, mein Dings« noch vielen geläufig sein. Rückblickend betrachtet sehe ich diese Werbung heute sehr bezeichnend für unsere Zeit und unsere Gesellschaft. Uns wird vorgemacht, jeder von uns sollte das können, die Bilder auf den Tisch knallen »Mein Haus, mein Auto ...« Sonst ist man nichts. Das Wort »Mein« war hier sehr wichtig. Ein Beweis für den persönlichen Erfolg. Nur sind die meisten von uns heute weiter davon entfernt als damals. Keine Chance, trotz fleißiger Arbeit. Da sollen wir etwas wollen, um etwas zu sein. Ob wir das wirklich brauchen, um uns zu definieren, um ein schönes Leben zu führen, bleibt außen vor.
Jetzt kommen Flüchtlinge ins Land. Denen scheinbar alles geschenkt wird, wofür wir arbeiten mussten. Zunächst erhalten die Flüchtlinge natürlich nicht »alles«, doch spielt das für manche Leute überhaupt keine Rolle. Sie bekommen etwas und andere nicht. Aus einigen Gesprächen habe ich herausgehört, dass es bei Aussagen, die auf den ersten Blick ausländerfeindlich klangen, eigentlich nur um Missgunst und Neid ging. Es sind oft genau die Menschen, die auch undifferenziert über Hartz-IV-Empfänger herziehen. Im Zeitalter von »Mein Haus, mein Auto ...« sind Neid und Missgunst gesellschaftsfähig geworden. Dass sich diese Einstellung letztlich natürlich ausländerfeindlich auswirkt ist klar, auch wenn Auslöser eigentlich der blanke Neid war. Ohne Rücksicht auf die Herkunft der »Bevorteilten«. Das ist das eine.
Zum anderen gibt es ein schwindendes Identitätsgefühl und auch die Gemeinschaft lebt derzeit nicht gerade auf in unserem Land. Zu Zeiten der großen Pegida-Spaziergänge in Dresden hat Pfarrer Philipp aus Ranstadt das sehr schön dargestellt, wie die Gesellschaft ihrer Identität verliert, indem sie sich selbst ihrer Wurzeln beraubt. Als Wurzeln nannte er vor allem die kirchlichen Feste, die das Jahr prägen. Sie verlieren immer mehr an Inhalt, St. Martin wird aus Termingründen schonmal verschoben, was soll es. Ich möchte dem noch das Vereinswesen hinzufügen. Auch wenn viele Kirche und Vereinswesen für überholt und überflüssig halten, hat es doch unser Land und unsere Gesellschaft geprägt, gibt uns Halt und Identität. Wer keine Wurzeln mehr hat, hat keinen festen Stand, wenn er auf Neues trifft. Neues oder fremde Menschen. Er zeigt Unsicherheit, die schnell zu Angst und Aggression wird. Jemand, der sich selbst keiner Gemeinschaft mehr zugehörig fühlt, weil er das für altmodisch hält und für hinderlich auf dem Weg zu »Mein Haus, mein Auto ...«, der wird auch andere nicht in eine Gemeinschaft aufnehmen können.
Beides zusammen ist keine gute Weichenstellung für eine Gesellschaft. Beides zusammen ist aber auch ein Pulverfass, das rechte Chaoten nur zu leicht nutzen können. Deshalb reicht es nicht, die rechten Chaoten zu bekämpfen, wir müssen das Pulverfass leeren, denn so genügt schon der kleinste Funken. Den wird man nie ganz verhindern können.
Bevor man sich jetzt einbildet, das Geld, das den Flüchtlingen zugutekommt, würde einen selbst daran hindern, endlich das Ziel »mein Haus, mein Auto, meine Dings« zu erreichen, sollte man mal darüber nachdenken, warum die Löhne in Deutschland seit Jahren sinken, die Gewinne der Wirtschaft aber steigen. Wäre es da nicht sinnvoller, dafür zu sorgen, dass Menschen für ihre Arbeit ordentlich bezahlt werden, statt es Konzernen zu erlauben ihre Gewinne in Steuerparadiesen abzurechnen und zuzusehen, wie Investoren und Aktionäre sich indes über wachsende Gewinne freuen? Aber an die kommt man ja nicht so einfach heran und außerdem wird uns auch seit Jahren weisgemacht, das wäre schon in Ordnung so. Die Flüchtlinge dagegen, die kommen da gerade recht als Sündenbock. Unsere Probleme sind hausgemacht, rühren nicht von den Flüchtlingen her.
 
CC-BY-ND Marc Stephan
 

Samstag, 27. Juni 2015

Eine aussterbende Klasse - ich?

Die Dinos waren eine aussterbende Rasse, man spricht von ihnen heute voller Ehrfurcht. Ist es dann schön, zu einer aussterbenden Klasse zu gehören? Das fragte ich mich, als ich gestern wieder einen Bericht las zum Thema »Kindermangel in Deutschland«. Als Grund wurde wieder einmal angeführt, dass Frauen Karriere und Familie nur schwer vereinen können. Ich würde statt »Frauen« das Wort »Eltern« setzen, das bringt uns der Gleichberechtigung der Geschlechter ein bisschen näher. Doch tatsächlich sind heute hauptsächlich Frauen davon betroffen. Zudem wissen wir alle, dass wir weit davon entfernt sind, dass nur Leistung und Qualifikation über eine Einstellung oder Beförderung entscheiden und dass es selbstverständlich gleiches Geld für gleiche Arbeit gibt.
 
Trotzdem erscheint mir dieses Problem nicht als das größte in diesem Zusammenhang. Eher wie das »angenehmste« und »bequemste« für die Politik. Sicher ist es richtig, für die Gleichberechtigung der Geschlechter zu stehen, darin aber den Hauptgrund für den »Kindermangel« (schreckliches Wort, als wären Kinder eine Ware) zu sehen, halte ich für falsch, für zu leicht. Der Weg des geringsten Widerstands, weil bei dem Thema »Gleichberechtigung« alle mitmachen. Bei dem viel schwerwiegenderen Problem macht aber vor allem die Wirtschaft und deren Bosse nicht mit.
 
Nach Gesprächen mit »einfachen Leuten«, die sicherlich nicht in die »Karriere«-Auffassung vieler Politiker passen, sehe ich ein ganz anderes Problem: Junge Menschen, die entweder überhaupt keinen Job finden oder auf sechs Monate oder weniger befristete Arbeitsverträge bekommen oder auf unbestimmte Zeit in die Zeitarbeit rutschen, können doch nicht ernsthaft über Kinder und Familie nachdenken. Ohne Sicherheit, ohne Fundament kann ich nichts bauen, weder eine Familie noch ein Haus. Für beides reicht heute das Gehalt eines Elternteils meist nicht mehr aus, beide müssten einen einigermaßen gesicherten und vernünftig bezahlten Job haben. Dann kann man sich auch um Familie kümmern.
 
Aber von diesen »einfachen Menschen« spricht irgendwie keiner in der Politik. Die gutausgebildeten, studierten Menschen, die Karriere machen, die sollen durch Vereinbarkeit von Beruf und Familie den »Kindermangel« beheben. Es wird so von den »einfachen Menschen« bald keiner mehr übrig sein, mangels Fortpflanzung. Gehöre ich dann wirklich zu einer aussterbenden Klasse und darf ich darauf stolz sein?
 
CC-BY-ND Marc Stephan, Echzell

Montag, 18. Mai 2015

Der Mindestlohn ist schuld?

Überall lese ich Überschriften wie: Mindestlohn macht den Produzenten der Spreewald-Gurken zu schaffen, den Zeitungsverlagen (wegen der Austräger), dieser und jener kämpft mit der Existenz und schuld ist immer der Mindestlohn. Aber ist er es wirklich? Der Mindestlohn zeigt doch eigentlich nur, wo ein großes Problem liegt. Wenn der Mindestlohn so vielen Unternehmen Probleme macht, liegt das doch eher daran, dass wir als Gesellschaft uns daran gewöhnt ...haben, »billig, billig« einzukaufen und deshalb reicht es nicht mehr für alle. Bei »für alle« fällt mir dagegen wieder ein, nicht jeder kann es sich leisten, für alle Produkte das Doppelte oder nur die Hälfte mehr zu zahlen. Da fragt man sich dann schon, wo ist eigentlich das ganze Geld hin? Wer von »uns allen« hat das denn? Liegt nicht da das Problem und nicht im Mindestlohn?
 
CC-BY-ND Marc Stephan, Echzell
 

 
 

 

Freitag, 27. März 2015

Wir mögen die Falschmeldungen


Gerade erfuhr ich, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender eine gesonderte Rubrik eingerichtet hat, um erfolgte Falschmeldungen zum Flugzeugabsturz der Germanwings 4U9525 wieder geradezurücken. Das will man uns als Fortschritt und als etwas Ehrenhaftes verkaufen. Weil man zugibt: »Ja, wir haben Murks berichtet«, muss man heute schon stolz sein? Sicherlich, andere Medien gehen einfach darüber hinweg und scheinen bezüglich eigener Falschmeldungen an Demenz zu leiden. Doch ist das Zugeben von Murks-Berichten nicht das Problem, die Murks-Berichte selbst sind es.
Muss man tagelang seine Berichterstattung füllen mit: »ich meine, denke, vermute« oder schlimmer mit: »ein anderer meint, denkt, vermutet, ich gebe es nur weiter«? Kann man ich einfach warten, bis geprüfte Fakten zur Verfügung stehen? »Warten« ist in der Medienlandschaft heute ein böses Wort geworden. Und daran sind vor allem wir schuld, wir als Gesellschaft, als Konsumenten von Nachrichten.
Deshalb dürfen wir uns schon fragen, was es uns bringt, tagelang mit Vermutungen bombardiert zu werden, uns tagelang neu mit dem Thema zu beschäftigen, oft gefüttert mit falschen Informationen und vorschnellen Theorien? Genügt es nicht, es einmal zu erfahren, mit geprüften Fakten und es dann in Ruhe verarbeiten zu können? Dafür müssten wir vielleicht ein paar Tage warten. Wäre das schlimm? Nein, denn die Hinterbliebenen sollten nicht auf die Informationen aus den Medien angewiesen sein, sie sollten gesondert und besonders verantwortungsvoll unterrichtet werden. Und wir? Wir einfaches Volk? Macht es auch nur den kleinsten Unterschied, ob wir die Hintergründe heute oder in drei Tagen erfahren? Nein. Völlig egal!
Aber wie sollen Experten vernünftig eine Untersuchung leiten, wenn ständig die Öffentlichkeit an ihren Ärmeln zerrt? Müssen wir wissen, wie der Co-Pilot hieß, wenn es noch gar nicht feststeht, ob er 150 Menschen absichtlich mit in den Tod gerissen hat? Besser noch: Müssen wir den Namen wissen, WENN es feststeht? Nein. Diese Tat zieht eine persönliche Schuld nach sich. Der Schuldige wäre in diesem Fall schon tot, seine Hinterbliebenen dagegen trifft keine Schuld. Sie sind einfach Menschen, die einen Angehörigen verloren und die allein damit bereits zu kämpfen haben. Die Belastung eines persönlichen moralischen Schuldempfindens ganz außer Acht gelassen.
Also wenn wir die Medien dazu drängen, uns so schnell Informationen zu liefern, dass eine Überprüfung der Angaben gar nicht möglich ist, brauchen wir dann noch eine Rubrik, in der die Falschmeldungen aufgelistet werden? Wollen wir das überhaupt wissen? Wir hatten doch unseren »Kick« schon. Wen interessiert, was danach kommt?

CC-BY-ND Marc Stephan, Echzell

Sonntag, 10. März 2013

... auf einen bemerkenswerten Mann

Nicht die Fotos waren 70 Jahre lang seine Leidenschaft, sondern die Menschen.

Vor etwa drei Jahren erhielt ich einen Tipp, einen "alten Hobbyfotografen" aus unserer Gegend zu portraitieren. Zunächst war ich etwas skeptisch, Hobbyfotografen gibt es viele. Doch Menschen, die seit 70 Jahren mit großer Leidenschaft einem Hobby nachgehen, sind selten. Schränke voller Fotos, meist in schwarzweiß, welche die Entwicklung seines Dorfes, seine Kriegserlebnisse und immer wieder seine Frau zeigten, erwarteten mich. Ganz gleich, was die Fotos zeigten, die Art wie der sonst nüchterne und tatkräftige Mann über seine Motive sprach, ließ eine Leidenschaft durchblitzen, die eigentlich nicht der Fotografie galt, sondern den Menschen und ihren Geschichten, die er im Bild festzuhalten versuchte. Anfang März 2013 ist Kurt Nagel nun verstorben.
Kurt Nagel im Jahr 2009 ... lesen.

Montag, 18. Februar 2013

... auf "die Kirche"

Die katholische Kirche fordert mehr Toleranz in islamischen Gesellschaften - na gerade die!

Heute mal ein etwas ernsteres Thema, dazu kurz voraus: "Die Kirche" gibt es nicht, das weiß ich. Im Radio hatte ich einen Beitrag zu einer Aussage eines Kirchenoberen, dazu am Ende des Beitrages mehr.
 
Dieser Kirchenobere (katholischer Konfession, soweit ich mich erinnere) forderte also mehr Toleranz vom Islam gegenüber anderen Religionen, besonders in islamischen Ländern. Er könne nicht in Iran predigen ohne verhaftet zu werden, vermutete der Geistliche. In Deutschland hingegen dürfe man Moscheen bauen, die größer sind als der Kölner Dom, führte der Geistliche als Beispiel für die Toleranz in unserem Land an.
 
Aber das ausgerechnet ein Vertreter der katholischen Kirche so etwas fordert, stößt mir ein bisschen auf. Denn dass die Muslime in Deutschland Moscheen bauen dürfen, ist kein Verdienst der katholischen Kirche. Ebenso wenig wie so manch andere Fortschritte in Sachen Toleranz und Gleichberechtigung. Ich weiß dass Aussagen, die auf "hätte, wäre" beruhen sehr vage sind, dennoch behaupte ich jetzt: Hätte es die Reformation und die Aufklärung in Europa nicht gegeben, hätten wir mehr mit den angeführten islamischen Gesellschaften gemein als uns heute lieb ist. In Ordnung, die Reformation nehme ich zurück, auch die Protestanten waren Nicht-Christen gegenüber damals nicht gerade aufgeschlossener. Bleibt noch die Aufklärung. Aber die bleibt wirklich. Ohne Aufklärung würde es uns wahrscheinlich nicht mal stören, dass es bei uns ähnliche Sitten wie in manchen islamischen Gesellschaften gibt, weil wir es ja gar nicht anders kennen.
 
Also kurz: Die Forderung nach mehr Toleranz ist mehr als in Ordnung. Nur dass ausgerechnet die katholische Kirche so deutlich danach verlangt und hierzu Beispiele aus unserer Gesellschaft heranzieht, die es so nicht gäbe, wäre es die letzten 500 Jahre nach dem Willen der katholischen Kirche (bis heute ein Hort der Toleranz) gegangen, das stört mich unwahrscheinlich. Und das musste mal raus, sorry.

Da ich den Radiobeitrag erst dann richtig wahrgenommen habe, als es um Islam und Toleranz ging, habe ich leider nicht mitbekommen, wer diese Aussagen gemacht hat. Auch verschiedene Suchmaschinen brachten mich da nicht weiter. Wer also weiß, wer diese Aussagen veröffentlicht hat, darf sich melden. Wenn ich was falsch verstanden habe, dann muss dieser jemand sich bitte melden ;)